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Im Dorfzentrum von Helden erhebt sich auf einem Felssporn des Sonnenberges unser Gotteshaus. Es ist die Pfarrkirche “St. Hippolytus" für das Kirchspiel Helden mit etwa 1500 Katholiken in den Ortschaften Helden, Niederhelden, Mecklinghausen, Jäckelchen, Repe, Rieflinghausen, Hofkühl und Berlinghausen. Die vier grösseren Dörfer Niederhelden, Mecklinghausen, Repe und Rieflinghausen besitzen Dorfkapellen, die alle von Kapellenvereinen unterhalten werden und in denen auch im wöchentlichen Wechsel Gottesdienste gefeiert werden.
Rings um die Kirche erstreckt sich der Kirchhof als Friedhof, auf dem seit Generationen die Toten unserer Gemeinde ihre letzte Ruhe gefunden haben und finden. Kirche und Friedhof geben Ausdruck von unserem Glauben: Wenn wir die Eucharistie feiern, sind wir mit den Verstorbenen verbunden. Alle Gräber sind mit schlichten Holzkreuzen ver- sehen, auf denen die Namen der Verstorbenen zu lesen sind. Die einheitlichen Kreuze (statt der sonst üblichen Grabsteine) sollen in Erinnerung rufen, dass im Tode alle Menschen gleich sind. Im alten Teil des Friedhofes an der Westseite unserer Kirche sind die Gräber zusätzlich noch mit Buchsbaum umgeben.
Die einschiffige Kirche und der wuchtige, quadratisch angeordnete Westturm mit seiner vierseitigen Dachpyramide ist wie eine Burg aus dicken Bruchsteinen erbaut. Im Jahre 1906 wurde der frühere Aussenputz entfernt und das Mauerwerk sorgfältig ausgefugt. Seitdem ist das hiesige schöne Steinmaterial wieder sichtbar. Es ist vorwiegend Knollenkalk in grüngelblichen und rötlichbraunen Tönen (das ist “Mecklinghauser Marmor", der auch “Heldenrot" genannt wird) sowie Kalkstein von hellgrauer Farbe, aber auch dunkles Grauwackengestein.
Das Gotteshaus mit der sich unter dem Chor befindlichen Krypta ist in klarem romanischem Baustil errichtet worden; dennoch sind mehrere Bauabschnitte am heutigen Gesamtbild festzustellen.
Nikolaus Rodenkirchen, der damalige Provinzialkonservator, hat im Jahre 1935 seine Untersuchungen über die Krypta in der Kirche zu Helden (1) veröffentlicht und den Grundriss unserer Kirche gezeichnet. Er unterscheidet im wesentlichen drei Bauabschnitte: Die Bauzeiten 1075; 1150 und 1330.
Danach gehörten Krypta und Chorraum zur ursprünglichen, im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts erbauten Kirche. Nach seiner Meinung wurde dann Mitte des 12. Jahrhunderts die erste Kirche, unter Erhaltung von Krypta und Chor, ersetzt durch einen Neubau mit Flachdecke, also durch einen Saalbau im Basilikasti.(2)
Die Einwölbung des Kirchenraumes soll gegen 1330 erfolgt sein, ebenso die Vergrösserung der Fenster im Chorraum.(3) Diese zeitliche Einordnung könnte die rundbogigen Elemente und die gedrückt spitzbogigen Formen der Kreuzgratgewölbe erklären, die den Übergang vom romanischen zum gotischen Baustil andeuten. Ausserdem wird die Datierung mit einem Hinweis auf die Ablassverleihung vom 22. Mai 1330 in Verbindung gebracht.(4)
Wann mit dem ersten Kirchenbau begonnen wurde, weiss keiner zu sagen. “In der Urkunde des Erzbischofs Konrad von Hochstaden von 1253, worin er der Heldener Kirche, da die ursprüngliche Bescheinigung darüber beim Brande in Attendorn verloren gegangen war, die Rechte über ihre Wachszinsigen bestätigt, wird ausdrücklich Anno fundator ecclesiae genannt” (5) Der Hl. Anno ( * 1010; + 1075) war Erzbischof von Köln von 1056 bis 1075 und soll die Kirche auf seiner letzten Reise zum Kloster Grafschaft im Jahre 1074 auch geweiht haben.
Zweifelsohne ist das südliche Sauerland von Köln aus missioniert worden, und es hatte von dort auch seine kirchliche Organisation bekommen. Köln selbst war schon 795 zum Erzbistum erhoben worden.
Albert K, Hömberg hat in seinem Beitrag (6) ”Das mittelalterliche Pfarrsystem des kölnischen Westfalen” nachgewiesen, dass die Urpfarreien an alten, von Köln kommenden Strassen lagen.
Attendorn war eine der 12 Urpfarreien des Kölnischen Westfalen und besass als Hauptort des umfangreichen (späteren) Dekanates eine Taufkirche, worauf auch die Wahl des Kirchenpatrons St. Johannes Baptist hinweist. Von den Urpfarreien wurden zwischen 800 und 1000 die Stammpfarreien und wieder später zwischen 1000 und 1300 weitere Pfarreien abgetrennt.
Im Liber valoris sind zu Beginn des 14. Jahrhunderts etwa 190 Pfarreien aufgeführt, darunter auch Helden mit Dünschede.
Es ist bemerkenswert, dass Helden schon so früh abgepfarrt wurde. Ob eine starke Besiedlung des Heldener Raumes oder besondere Besitzverhältnisse eine Rolle gespielt haben oder ob hier ein klosterähnliches Damenstift bestanden hat, ist bis heute noch nicht geklärt. Früher umfasste das Heldener Kirchspiel die heutigen Orte im Repetal, dazu aber noch Petmecke, Oberveischede (mit Neuenwald und Tecklinghausen), Bürberg, Bremge, sowie Dahm und Alt-Finnentrop.
Die frühere Filiale Dünschede wurde 1897 zur selbständigen Pfarrei erhoben, während der bisherigen Kapellengemeinde Oberveischede im Jahre 1948 das Recht einer eigenen Vermögensverwaltung verliehen wurde.
Der Güterbesitz des Kirchspiels war jedoch ungewöhnlich gross und ging weit über diese Begrenzung hinaus. Diese “Einkünfte, Güter und Rechte der Pfarrei Helden” des Jahres 1383 wurden von Pastor P. v. Westerholt erstellt.(7)
Unter dem Erzbistum Köln, dessen Erzbischöfe später zugleich die weltlichen Landesherren waren, blieb das kurkölnische Westfalen bis zum Jahre 1803. Von 1803 bis 1816 unterstand unser Gebiet politisch dem Grossherzogtum Hessen und wurde dann zu Preussen geschlagen. Über die kirchliche Zugehörigkeit wurde erst 1821 befunden, und zwar durch die päpstliche Bulle “De salute animarum” ( “Über das Heil der Seelen)”,(8) das gesamte Gebiet wurde nach tausendjähriger Zugehörigkeit zum Erzbistum Köln nunmehr dem Bistum Paderborn zugewiesen.
Das Kirchenpatronat befindet sich seit dem 13. Jahrhundert in adeliger Hand: 1268 kam es von dem Edelherrn Thitmar von Waldeck gt. Opolt lehnweise an Herberd Vogt v. Helden (9);später stand es den Vögten von Elspe(10) zu Bamenohl zu, dann dem Freiherrn von Bodelschwingh Plettenberg.
Das umfangreiche und zuletzt vom Stadtarchivar Otto Höffer geordnete Pfarrarchiv besitzt u. a. 72 Urkunden aus den letzten sieben Jahrhunderten.(11) Das älteste Dokument datiert vom 31, Mai 1273; darin wird erwähnt die “Kapelle zu Dünschede, die von der Heldener Pfarrkiche abhängt...
Die Personenstandsregister, also die Aufzeichnungen über Taufen (und Geburten), Eheschliessungen und Verlobungen (=Sponsalien) sowie über die Sterbefälle beginnen u nterschiedlich etwa 1670 und sind jetzt noch ohne wesentlichen Lücken vorhanden.
Unsere Pfarrchronik wurde im Jahre 1823 begonnen und ist bis heute weitergeführt worden.
Um Ihnen unsere Kirche etwas “näher“ zu bringen, laden wir Sie ein zu einem Gang zu bemerkenswerten Stationen zunächst im Aussenbereich und dann im Innenraum entsprechend der beigefügten Skizze (Grundriss).
1) Grundstein Während des 30jährigen Krieges hatte die Kirche sehr gelitten und musste von Grund auf erneuert werden, daher wurde wohl der neue Grundstein eingefügt. Die Übersetzung des lateinischen Textes lautet: “Zur gottesdienstlichen Verehrung und Anbetung des menschgewordenen Wortes (in der heiligen Eucharistie) legte diesen Grundstein am 1.1.1700 Pfarrer Hermann Duncker”. (Der Text ist ergänzt durch die bildliche Darstellung einer Monstranz).
2) Sakristei-Anbau An der Südseite der Kirche wurde im Jahre 1940, als die erste Heizung angelegt wurde, dieser unterkellerte Anbau erstellt. Das Mauerwerk passt sich sehr gut der Aussenansicht der Jahrhunderte alten Kirche an.
3) Mahnmal Die Heldener Pfarrgemeinde hat kein Helden-, sondern ein Mahnmal. Die Toten beider Weltkriege mahnen uns zum Frieden. Aus der Weltkugel schlagen Flammen als Symbol des Weltbrandes. Für uns Christen gibt es aber immer ein Zeichen der Hoffnung dabei: Die sieben Kreuze.
4) Alte Priestergruft In unserer Priestergruft sind mehrere Priester beigesetzt. Es wurde aber nur das Grabdenkmal von Dechant Heinrich Sauer erhalten. Er hat von 1866 bis 1926, also 60 Jahre lang, in unserer Gemeinde gewirkt. Während seiner Amtszeit sind 44 Priester und 77 Ordensleute aus unserer kleinen Gemeinde hervorgegangen.
5) Neue Priestergruft Hier sind die Pfarrer, die in unserer Gemeinde gewirkt haben oder aus unserer Gemeinde stammen, beigesetzt, u.a. Generalpräses Hermann Klens aus Niederhelden. Er trug dazu bei, dass die Frauengemeinschaft in Deutschland (kfd) gegründet wurde. Das Missionskreuz “Christus regens” wurde1930 vom Bildhauer Franz Belke aus Grevenbrück geschaffen.
6a; 6b) Die Portale Unsere beiden Kirchentüren wurden im Jahre 1914 neu angefertigt. Sie wurden originalgetreu nachgebildet den alten Vorgängertüren, die damals vom Museum in Dortmund übernommen worden sind. An der Einfassung des “kleinen” Portals (6a) erkennt man einige sogenannte Kratzsteine (12) aus Sandstein. Der marmorne Kirchentürstein (13) wurde 1705 gelegt.
Alle Fenster waren in den letzten Kriegstagen durch Granatbeschuss zerstört worden. Aus Geldmangel wurden die neuen Fenster im Jahre 1950 schlicht gehalten; sie passen dadurch aber gut zum romanischen Baustil. Sie wurden entworfen von Albert Diemcke aus Finnentrop und in der Firma Wilhelm Derix in Kaiserswerth hergestellt.
7) Kirchen- und Altarraum (neu) vor der Renovierung Das Kircheninnere, wie es jetzt zu sehen ist, wurde bei der letzten grösseren Reno- vierung in den 70-er Jahren neu ausgestattet. Im Frühjahr 2001 war wieder eine umfangreiche Renovierung notwendig. Unter der Leitung des Architekten Franz Josef Happe aus Meschede wurde sie in Übereinstimmung mit der Denkmalbehörde, der Kunstkommission Paderborn und dem Erzbischöflichen Bauamt sowie dem Kirchenvorstand durchgeführt. So musste nach Ausbesserung schadhafter Putzstellen, besonders im Sockelbereich, der ganze Kirchenraum neu ausgemalt werden. Ebenso wurden
- der Fussboden in den Gängen mit Ruhrsandstein-Platten belegt;
- unter den Bänken eine Wärmedämmung und die Eichenholz-Dielen gelegt;
- die Heizungsanlage erweitert;
- die Lautsprecheranlage und die Liedanzeige erneuert;
- die Bänke angepasst und mit neuen Auflagen gepolstert;
- die Kanzel und alle Statuen restauriert;
- die Beleuchtung neu installiert und die Orgel überholt.
Im Chorraum wurden vom Künstler Michael Düchting aus Soest ein neuer Tabernakel gestaltet, sowie der Ambo und zwei Wandkonsolen aus noch vorhandenem “Mecklinghauser Marmor” angefertigt.
Im Zuge der Renovierung wurde auch eine Sicherung unserer Kirche gegen Diebstahl und Vandalismus vorgeschrieben. Leider ist nun der Kirchenraum nach den Gottes- diensten nur noch bis zum Seitenaltar links zugänglich.
Die drei Eisengitter sowie den neuen Taufbrunnen und den Wandarm für das “Ewige Licht” fertigte die Firma Walter Schneider aus Schmallenberg-Heiminghausen an.
Unsere Kirche ist einschiffig und weist drei Joche auf sowie ein Joch im Chorraum. Dieser ist wegen der Krypta um sieben Stufen erhöht. Die Seitenanbauten (jeweils zwei Joche) mit ihren Apsiden sind Nebenchöre, aber keine echten Seitenschiffe.
Im Chorraum steht - als Mittelpunkt unserer Kirche - der Altar. Er wurde (wie auch die beiden Nebenaltäre und der Tabernakelsockel) im Jahre 1976 aus noch vorhandenem ”Mecklinghauser Marmor" von der Firma Dassel in Allagen gefertigt. Passend dazu wurde der Boden mit Marmor aus Belgisch-Rot-Platten gedeckt. Im Altar befindet sich der Reliquienschrein aus dem 13. Jh. mit den Reliquien unseres Kirchenpatrons, des Hl. Hippolytus, und anderer Heiligen.
Die Kanzel (eine Arbeit von 1694 aus der Werkstatt Sasse in Attendorn) mit dem Kunstschmiedegitter sowie einigen Wangen und Namenleisten der Kirchenbänke von “ANNO 1678" sind noch aus der Barockzeit erhalten. Wesentlich älter, aus der gotischen Zeit, sind die 12 Apostelstatuetten aus dem 14. Jh: und ein wertvolles Standkreuz von 1320, das nun hängend über dem Altar angebracht worden ist.(14) Anstelle der beiden Kunstschmiedegitter aus der Barockzeit, die seit 1975 in der Apsis als Kerzenständer gedient hatten, sind sechs Leuchter angefertigt worden. An der rechten Wandseite auf dem Chor sehen wir die Statue des Hl. Liborius in Pontifikalkleidung mit Bischofsstab, und auf der linken Seite ist die Statue der St. Agatha (15) mit grünem Palmzweig angebracht. Beide Figuren sind neugotisch und aus Terrakotta.
Bei den umfassenden Renovierungsarbeiten im Jahre 1974 konnten auch die schon erwähnten Untersuchungen und Grabungen von Dr. Lobbeday(16) und Frau Dr. Clausen durchgeführt werden. So wurden auf dem Chorraum, nachdem der Fliesenbelag entfernt worden war, die freigelegten Bruchsteine des Krypta-Gewölbes mit der Fenestrella- Öffnung sorgfältig ausgemessen und gezeichnet. Ebenso wurde auch an einigen Stellen senkrecht an den Pfeilern der Putz abgeschlagen. Es konnte jetzt bestätigt werden, dass diese Pfeiler mit der Wand ursprünglich fast gar nicht verzahnt wurden, dass sie also nachträglich (gegen 1330?) vorgemauert worden sind.
Ebenso mussten 1974 während des Baues von tiefliegenden Kanälen für die Heizung im Mittelgang der Kirche mehrere Grabplatten, die einige Priestergräber abdeckten, entfernt und neu verlegt werden. Als Fussbodenbelag wurden damals grosse Steinplatten und die Treppenstufen zum Chorraum aus Anröchter Gestein verwendet. Leider war dieser Fussboden in den Gängen infolge Salzeinwirkung schon nach 25 Jahren sehr schadhaft und musste erneuert werden.
8) Seitenaltar rechts Der heutige Herz-Jesu-Altar war zuerst im Jahre 1890 errichtet worden an Stelle des alten St. Anna-Altars, welcher damals zum Dahm gegeben wurde. Hier ist jetzt im Marmorblock der alte “Marmorstein für die Taufe" eingemauert,(17) der 1733 angefertigt wurde und der früher zum Barockaltar gehörte. An den Wänden sehen wir links die Pestheilige Katharina von Siena sowie rechts den Hl. Josef. Vor dem Herz-Jesu-Altar befindet sich die Grabplatte des Pastors Caparus Hengstebeck. Er starb im Alter von 63 Jahren am 07. August 1651, nachdem er 39 Jahre hier als Pastor gewirkt hatte. Beichtstuhl: Teile dieses alten Beichtstuhls stammen noch aus der Zeit von 1696, als in Helden Franziskaner die Beichte hörten. Ihre Arbeit konnte man durch Geldspenden unterstützen, daher der Geldschlitz in der Tür. Auch die Inschrift: “ODER BÜSSEN ODER BRENNEN" ist bemerkenswert.
9) Krypta Bild 1; Bild 2 Bekannt ist unsere Kirche vor allem durch die unter dem Chor gelegene Krypta, dem ältesten Teil der Kirche, die im Volksmunde auch “Kluft" genannt wird. Es ist die erweiterte Form einer Ringkrypta. Durch zwei schmale, tonnengewölbte Zugänge gelangt man in den katakombenartigen Innenraum. Das niedrige Kreuzgewölbe ruht auf zwei quadratischen Pfeilern. Der Bodenbelag besteht noch aus dem ursprünglichen Riemchenfussboden. Dieses Kleinpflaster in Fischgrätenmuster wurde 1691 gelegt. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1935 wurde über dem kleinen Altar eine romanische Gewölbemalerei von hohem Wert freigelegt und an der Westwand eine früher vermauerte Sepulkrumnische geöffnet. Darin entdeckte der damalige Pastor Holtkort ebenfalls bedeutende Malereien. An der Nischenrückwand war ein Bildnis von zwei sitzenden Gestalten heiliger Frauen dargestellt und als SA. EMBEDE und SA. NADBURG bezeichnet. Rodenkirchen vermutete, dass die Malereien des Gewölbes aus der Erbauungszeit im 11. Jahrhundert stammen und Szenen aus der Legende unseres Kirchenpatrons Hippolytus darstellen. Die Heiligen Frauen Embede und Nadburg sind wahrscheinlich Gefährtinnen der Hl. Ursula von Köln gewesen.
Leider wurden im April 1945 kurz vor dem Einmarsch und beim Beschuss durch die Amerikaner, wobei eine Granate in der Krypta explodierte, dieses kostbare Frauen- bildnis an der Rückwand der Reliquiennische vollständig zerstört und die Gewölbemalereien stark beschädigt.
Bei der erneuten Restaurierung der Krypta im Jahre 1969 konnte das Bildnis in der Nische nur durch eine Fotographie ersetzt, aber die Fragmente der romanischen Malerei konnten in der ursprünglichen Gestalt erneut freigelegt und ihr hoher kunsthistorischer Wert durch die Fachleute des Landesdenkmalamtes bestätigt werden.
In den früheren Jahrhunderten wurden in der Krypta die Reliquien aufbewahrt. Da aber eine Messe nur gefeiert werden durfte, wo Reliquien im Altar sind, musste eine natürliche Öffnung zwischen Hochaltar und Krypta bestehen: die Fenestrella (= Fensterchen?). Dies ist ein rechteckiger, holzverkleideter Schacht zum darüberliegenden Altarraum.
10) Seitenaltar links Die „Schmerzhafte Muttergottes wurde von dem Bildhauer H. Kuhl im Jahre 1742 aus Lindenholz geschnitzt. Dieser Muttergottesaltar war im Jahre 1892 auch als “privilegierter Altar der Rosenkranz-Bruderschaft" geweiht worden. Zwei Grabsteine von den Brüdern Hermannus und Henningius Duncker, beide Pastöre aus Altenhellefeld bei Stockum gebürtig, wurden senkrecht vor dem Altar an der Aussenwand befestigt (Henningius *1635 + 07.08.1687; Hermannus + 1722). Die Inschrift auf den Steinplatten ist jedoch nicht mehr entzifferbar. Ein weiterer Grabstein, jetzt auf dem Fussboden vor der “Pieta", bedeckte den beachtenswerten Henricus Stamm aus Bremge. Dieser wurde geboren am 26.02.1690 und starb am 17. April 1772. Er war “insignis huius ecclesiae benefactor", weil er “1747 fundator vicariae sub invocatione JESUS MARIA JOSEPH", also der Fundator der Schulvikarie gewesen ist und 1756 über 4.000 (!) Thaler dafür spendete.(18) An der Westwand des Seitenaltars ist ein Gemälde aus dem Frühbarock aufgehängt. Es stellt, auf Leinwand in Ölfarbe gemalt, den Hl. Johannes Baptist (19) dar.
11) Thronende Muttergottes (St. Granter) In der Pfeilernische befindet sich eine wohl 800 Jahre alte Marienfigur. Diese romanische Skulptur stand in früheren Jahren in der Krypta und wurde als St. Granter" verehrt. Der Name Granter (oder Grunseck) leitet sich ab vom plattdeutschen “gransen" oder “greinen" (=weinen). ”St. Granter" wurde als Helfer vor allem von Müttern mit weinenden und kranken Kindern aufgesucht. Diese Art von Heiligenverehrung wurde schon 1737 vom Kölner Generalvikar beanstandet. Mit dem Hinweis darauf, dass es keinen Heiligen gleichen Namens gebe, empfiehlt er, der Figur, die gewiss die Hl. Maria darstellen solle, ein Jesuskind auf die Arme zu legen. Das Kind wurde aber 1925 wieder entfernt. Seitdem hat die Vollplastik aus Weichholz oftmals die Gemüter bewegt, und die “richtige" Deutung des Granter ist bis heute umstritten geblieben. Nach Berichten des Landesamtes für Denkmalpflege Münster ist die Figur mehrmals verändert worden Bei der letzten Restaurierung 1971 erhielt sie durch die hinzugefügten Ergänzungen - Erneuerung der Hände und abermalige Hinzufügung des Kindes - die wohl ursprüngliche Sinngebung als Thronende Muttergottes.(20)
12) Heiligenfiguren (beide um 1700, Holz) Die rechte Statue stellt den Hl. Erzbischof Anno von Köln als Gründer unserer Kirche dar. In der rechten Hand hält er einen goldfarbenen Bischofsstab, mit der linken das Modell der Kirche. Die linke Figur zeigt den Hl. Hippolytus mit einem Palmzweig als Martyrer und Patron unserer Kirche. An der gegenüberliegenden Wand sehen wir die Kreuzigungsgruppe(auch aus Holz, neugotisch) mit dem Kruzifix, mit der Hl. Maria und dem Hl. Johannes. Alle diese Figuren hatten seit 1882 den neugotischen Hochaltar geschmückt, bis dieser im Zuge der liturgischen Neuordnung des II. Vatikanischen Konzils (1962 - 1965) durch einen Zelebrationsaltar ersetzt wurde. Die schwere eichene Frühbarockfigur St. Antonius wurde in den 30er Jahren von Josef Klens aus Niederhelden, damaliger Vikar in Rheda, beschafft.
13) Orgel Im Herbst 1897 wurde die erste alte Orgel von 1691 ersetzt, die aber mehrmals repariert worden war. Jetzt gehören zu unserer Orgel 19 Register mit 2224 Pfeifen. Sie wurde im Jahr 2001 wieder generalüberholt von der Firma Gebr. Stockmann in Werl. Der neue Orgelprospekt ist 1975 angeschafft worden; an der Brüstung der Orgelbühne konnten dabei Holzteile aus der Barockzeit wieder verwendet werden.
14) Kirchturm und Glocken detaillierte Informationen Die Ikonen im Turm wurden der Kirche von einem Geistlichen aus Repe geschenkt und sind Nachbildungen der Originale in Rom.
Die Tür unten im Turm wurde 1931 aus einer alten Dehlentür gefertigt und war damals nachweislich schon 250 Jahre alt.(21)
Im 33 m hohen Glockenturm hängen unsere drei Bronzeglocken. Im Jahre 1515 wurde die kleine Glocke angeschafft, sie trägt den Namen der Hl. Anna (Ton: h).Die mittlere Glocke, dem Hl. Hippolytus (Ton: e) geweiht, ist aus dem Jahre 1531. Die schwerste Glocke, St. Peter (Ton: gis), wurde gegossen im Jahre 1560. Sie trägt unter der Inschrift als Schmuckband ein Basisrelief mit den Bildnissen der zwölf Apostel und mit vier zwischengelegten Darstellungen der Geisselung, Dornenkrönung, Kreuztragung und Kreuzigung. Am 1. Juli 1942 wurden die beiden grössten Glocken vom Turm geworfen, anschliessend nach Attendorn zum Bahnhof geschafft und im Jahre darauf nach Hamburg befördert. Sie sollten für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden. Aber glücklicherweise überlebten sie den Krieg. So konnten sie 1947 wiederbeschafft und montiert werden und läuteten das Fest “Mariä Himmelfahrt" feierlich ein. Im Herbst 1962 wurde das Glockenläuten auf Antrieb mittels Elektromotore umgestellt. Seitdem ist das feierliche “Beiern" in Helden nicht mehr möglich. Die “Kleppglocke" im Türmchen ist aus Stahl gegossen; sie wurde schon 1918 als Ersatz beschafft für die im gleichen Jahre beschlagnahmte alte “Kleppe" aus Bronze.
Im Jahre 1994 musste der Glockenstuhl zum grössten Teil erneuert werden, da die Balken und Pfosten zu 80% beschädigt oder morsch waren. Zum Teil war das alte Gebälk im Jahre zuvor dendrochronologisch untersucht worden; dabei war eine Wuchszeit der Eichen zwischen 1370 und 1490 festgestellt worden. Während des Jahres 1995 wurde auch der Kirchturmshelm erneuert. Im Zuge dieser Massnahmen erhielten die drei Glocken einen neuen Einzel-Elektroantrieb.
Die heute funkgesteuerte Kirchturmsuhr, die als Geschenk an Dechant Sauer zu seinem diamantenem Priester- und Ortsjubiläum am 13.01.1926 gestiftet worden war, bekam 1995 für die Zeiger der vier Zifferblätter jeweils einen Eigenantrieb.
Wir hoffen, Ihnen mit dieser Führung Freude bereitet zu haben und würden uns freuen, wenn Sie unserer Kirche einen persönlichen Besuch abstatten würden. Bei Rücksprache mit dem Pfarramt Helden ist sicherlich eine Terminabsprache für eine Führung möglich.
Text: Albert Schnepper Foto: Ulrich Rüenauver Jürgen Schnell
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